Die Hegemonie des Ostens

TYCOS

Die dritte Kurzgeschichte zu Tycos ist ein Tagebucheintrag des Zeron Wamelor von Tycos. In diesem versucht er sich an einer Betrachtung von außen, formuliert Aspekte seiner Heimat und verknüpft sie mit seinen Zielen.

Ordnung

Das Erbe der Hegemonie

Wenn ich eines bei meinen Reisen und Studien gelernt habe dann, dass meine Heimat – die ehemalige Hegemonie – der Ort ist, den ich im Nachhinein am wenigsten verstehe. Zugleich jedoch kann ich die Beweggründe seiner Bevölkerung und Institutionen nachvollziehen, bin durch mein Aufwachsen in den dunklen Gassen der Metropole mit den Bedürfnissen und Notwendigkeiten, Perspektiven der Tycaner vertraut. Viele von ihnen sind Schlafwandler, gefangen vom System, dessen Wahrnehmungshorizont durch den Eisenwall begrenzt wird. Sie leben ein Vermächtnis grenzenloser Brutalität, packen es in schöne Worte und here Ideale. Doch um Werte ging es nie in den Kriegen der Hegemonie. Stattdessen um Einfluss, Macht, Märkte und Ressourcen. Die treibende Kraft dieses Volkes ist der Opportunismus, ihre Hoffnungen und Sehnsüchte sind Kompass ihres Geistes. Selbst die Eliten der Hegemonie werden nie Frieden finden, stehen sie doch unter dem nie endendem Druck der eigenen Behauptung. Viele von ihnen genießen dieses Spiel, die ständige Konkurrenz, gehen darin auf und bringen die Hegemonie nach vorn. Doch noch mehr zerbrechen daran, fristen ein Dasein im Elend, dessen Horror bewusst forciert, als Mindestantrieb für die schlafwandelnden Massen genutzt wird.

Somit ist es nicht nur das Bedürfnis nach Fortschritt und Wohlstand, dass meine Heimat auszeichnet. Genauso ist es die Ordnung, die letztlich nur durch Angst und Gewalt, physischer wie ökonomischer Art, aufrecht erhalten wird. Neben diesen Werten gibt es nichts, außer den Blick auf das Ergebnis. Und es sind eben diese Werte, die eine Loslösung von allem ermglichen. Die den Blick vom Weg abwenden, das Ziel fokussieren und einen grausamen Pragmatismus rechtfertigen, der uns Tycanern durch unser Streben nach Höherem als richtig erscheint.  Wir sind die Erben der Arroganz der alten Götter, die wir einst von ihrem Thron stießen und für ihre Tyrannei verjagten. Nicht umsonst brachen die Kolonien des Südens in Krieg und Chaos zusammen. Nicht umsonst nutzte der Westen den Moment unserer Schwäche, erklärte seine Unabhängigkeit und schuf die Grundlage für das Imperium des Westens – für Rhiel, die Heimat eines guten Freundes, den ich erst spät in meinem Leben kennenlernte. Ich wollte etwas verändern. Doch wo dafür anzusetzen sei, in welche Richtung es gehen solle – all dies waren Fragen, deren Antworten sich mir bis zur Einladung des IV. Justiztriumvirats entzogen. Es war eine Versammlung der Asuren aller Fraktionen, einer Kriese entsprungen, die das prägende Ereignis meines letzten Lebensabschnitts würde. Die Bekanntschaft mit einem jungen Geist aus Rhiel begeisterte mich für die Idee eines Rates, der auf Basis von Mehrheiten Streitigkeiten der Fraktionen beilegt. Dies erwuchs aus den Ambitionen des jungen Soric Flasyra.

Es waren Gedanken, die erst abstrus und verrückt erschienen, über die Jahre jedoch Gestalt annahmen. Denn wie auch viele andere stempelte ich Soric für verrückt ab, hörte ihm nicht weiter zu. Doch bei der Lösung der Krise bewies er Mut und Verstand, überzeugte uns alle von seiner Person, sodass sein Wort stets offene Ohren fand. Daher entschloss ich mich der Methode eine Chance zu geben, arbeitete an einer Grundlage, die ihr ermöglichen sollte sich zu beweisen. Doch die Asuren allein konnten so eine Entscheidung nicht fällen. Wir sprachen mit den Institutionen, Regierungen, deren Interessenverfechter wir waren, stießen auf Widerstand. Überrascht waren wir nicht, lediglich verwundert, dass es ausgerechnet in Tycos einen Philantropen und Oligarch gab, der unseren Ideen gehör schenkte. Dieser Magnat, dessen Geschäftsfelder besonders innovationsnah waren, glaubten fest an den Wettbewerb und sah die Idee lieber an der Realität scheitern, statt an konservativen Strukturen. Seine Lobbyarbeit verschaffte mir eine Mehrheit im Schattenrat, beförderte mich wenige Jahre später sogar in das Amt des Zeron von Tycos.

Eine Position, die ich durch die schnellen Erfolge des gesamtkontinentalen Parlaments, des sogenannten Hohen Rates, schnell festigen konnte. Doch wie es in Tycos üblich war regten sich Widerstände gegen diese Entwicklung. Die Vorstände jener Konzerne, die im Rat gegen mich stimmten, organisierten ihren Abschaum, torpedierten meine Ambitionen wo immer es ihnen möglich war. Erst wunderte mich diese vehemente Abneigung, doch schnell war mir klar, dass dieser schmutzige Machtkampf zum Wesen der regierenden Strukturen in Tycos gehörte. Dabei wirkten die Taten so als wären sie allein gegen den Hohen Rat gerichtet – gegen eine neue Instanz, über die jene Oligarchen erst Einfluss, bestenfalls Kontrolle gewinnen mussten. Stets waren sie Innovationen gegenüber offen, sofern diese ihre Position, ihre nahezu uneingeschränkte Macht nicht beschnitten. Eine Doppelmoral, die so oft als normal abgetan wurde, dass sie einem garnicht mehr auffiel. Dies ist nur eines der vielen Beispiele für das Schlafwandeln in Tycos.

Meinem Freund Soric, der in gänzlich anderen Strukturen aufgewachsen war, sagte ich einst, er müsse zu Misstrauen lernen. Er erschien mir naiv und unreif, absolut ungeeignet für seine Position – ein Umstand, der allein dadurch bedingt war, das wir Tycaner schlicht nicht wussten, was Vertrauen ist. Derweil erscheinen mir meine Landsmänner fremd und gefangen. Als würden sie in einer anderen Welt leben. Ich dagegen verstand mich auf den Kompromiss, verschmolz das beste aus beiden Welten, aus Ost und West, später auch aus Nord, entwickelte mich zum Vermittler und damit Vorkämpfer der Idee des jungen Asuren. Der Erfolg dieses globalen Ansatz wird über den Ausgag meines letzten Kapitels, über die historische Bewertung meiner Regentschaft bestimmen. Ich hoffe das mir genug Zeit bleibt die Reformen in der Hegemonie zu festigen. Dass sie die Fraktionen besänftigen und voran bringen, Frieden sichern und Wohlstand schaffen. Nicht nur für die Hegemonie.

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