Das Imperium des Westens

Rhiel

Die erste Kurzgeschichte zu Rhiel ist ein historischer Eintrag. Er schildert Eigenschaften und Strukturen der westlichen Lande, berichtet zudem von den Geschehnissen des Unabhängigkeitskrieges. Mit diesem löste sich die einstige Agrarkolonie von der Hegemonie des Ostens und schwang sich zum Imperium des Westens auf.

Tradition

Die Geburt des Phönix

Das Feuer bewahren, statt nur Asche anzubeten. Das ist unser Verständnis für Tradition. Dabei scheuen wir weder Blut noch Eisen. Doch Rhiel ist mehr als Gewalt. Sobald man sich von der Hauptstadt abwendet, bemerkt man den Militarismus kaum, wird stattdessen mit weiten, friedlichen, vor allem verschlafenen Landen konfrontiert.

Manch einer behauptet, Rhiel sei zurückgeblieben. Andere sagen, die Zeit stehe gewollt still. Einig sind sie sich bei dem Gefühl, dass unsere Heimat vermittelt. Die friedliche Idylle, wenig bevölkert und ruhig: ein Ort, der nahezu einmalig ist, der seine Besucher mit der Illusion eines Lebens längst vergangener Zeitalter konfrontiert. Zeiten, in denen die Welt noch in Ordnung gewesen ist.

Entsprechend viele Einsiedler, Kreative jedweder Art, genauso Abenteurer, zieht es nach Westen. Sie finden eine neue Wirkungsstätte – erhalten dabei oft einen Rang im Regime. Denn so malerisch und romantisch Rhiel klingt: unterentwickelt oder protektionistisch, isoliert ist es nicht. Wir folgen einer Philosophie, bewahren die Funktionalität, gehen alles strategisch an.

Föderale, aufeinander achtgebende Strukturen – wehrhaft und autark. Jahrhundertealte, in die Natur eingeflochtene Systeme zur Kommunikation zwischen den Kommunen. Zuletzt die Abhärtung der Bevölkerung durch Drill und die Wildnis. Dabei sind wir Teil des Ehrenkults, lassen uns leiten vom Dogma der Stärke, das Kampfgeist und Disziplin nicht aus Angst oder Zwang, sondern aus blanker Überzeugung generiert. Was aussieht wie eine Idylle, ist ein hoch organisiertes, schlagkräftiges Netzwerk, dessen Knotenpunkte sich in der Hauptstadt vereinen.

Am Fuße des Iridianberges, in dessen Stein die Hallen des rhielianischen Zerons und dessen Regierung eingemeißelt sind, liegt die lebhafte Hauptstadt des Westens. Der über Jahrhunderte bestehende Einfluss von Kunst und Kultur spiegelt sich in der Architektur wieder – genauso der imperiale Anspruchs des Zeron über die westlichen Territorien, deren anerkannter Schutzherr er ist.

Zurück geht diese Struktur auf die Ära des Südens. Das Land war einst Kolonie, die Hauptstadt durch ihre ressourcenreiche Lage ein zentraler Handelspunkt der Hegemonie. Eine Ausnahme; denn die restlichen Lande des Westens waren nahezu frei von Arkanit-Vorkommen, taugten aus Sicht des tycanischen Zeron lediglich als Ackerland. Ebenso entstanden hunderte Dörfer in den ursprünglich weiten, karg besiedelten und dennoch lebendigen Landstrichen. Die Agrarkultur wurde durch ein Migrationsprogramm für die immer rasanter wachsende Ostmetropole forciert, deren Fokussierung sich auf Stahl, Arkanit und Schwerindustrie verlagerte. Eine Entscheidung, die der tycanischen Hegemonie zum Verhängnis werden sollte.

Es war das Jahr 512 n. A., als die Ära des Westens begründet wurde. Die Legislatur des Zeron Trivius von Tycos begann, der die Trümmer der gescheiterten Südexpansion zu beseitigen hatte, sich jedoch dabei durch einen Binnenwirtschaftsfokus, gepaart mit einer protektionistischen Ordnungsdoktrin hervortat. Doch war das Bevölkerungs- und Wirtschaftswachstum, bedingt durch die Flucht- und Kriegswirtschaft in den Überseekolonien des Südens, kaum zu kontrollieren. Er verlor den Überblick, überließ Rhiel beinahe sich selbst. Lediglich eine kleine Gruppe Bürokraten kontrollierte den Westen und erfüllte die Tributerwartung der Hegemonie. Für mehr hatte die von Brüchen gebeutelte Führung des tycanischen Staates auch keine Zeit. Investitionen, ordnungsschaffende Maßnahmen – all dies blieb aus, und das führte zu einer raschen Verselbstständigung der Kommunen über die zur effizienten Arbeit eingerichteten Kommunikationskanäle.

Doch viel ausschlaggebender war die zeitgleiche Fertigstellung der Iridianfestung – der Basis der politischen Struktur, die später als Regierungssitz und Palast des Zeron von Rhiel dienen sollte. Die Festung war ein Projekt des vorangegangenen tycanischen Herrschers, der mit Gewalt die Ordnung aller Kolonien zu erhalten versuchte und aus diesem Grund Basen errichten ließ. So auch im Westen, ehe er, als Blut-Zeron verurteilt, für die Völkermorde in den südlichen Kolonien hingerichtet wurde. Eine Maßnahme des Justiztriumvirat, das, um Tyrannen vorzubeugen, die Verfassung notfalls mit Gewalt zu wahren hatte, und dadurch oft, trotz Korruptionsversuchen, das Schlimmste verhinderte.

Die Lande des Westens derweil bekamen von alldem nicht viel mit, bemerkten lediglich, dass die Truppen abzogen. Ohnehin war die Garnison für Rhiel nie groß. Das Verhalten der einfach zu kontrollierenden, der Hegemonie zugewandten Bevölkerung gab nie Anlass zur Besorgnis. Die Stadt besaß lediglich Agrarwirtschaft und vereinzelte Standort zur Arkanit-Förderung, wobei aus Sicht der tycanischen Obrigkeit, nur der Standort in der Hauptstadt von Relevanz war. Nie gab es Anhaltspunkte für eine Rebellion. Weder glaubte man, dass die Rhielianer unzufrieden waren und deswegen die Selbstständigkeit anstrebten, noch vermutete man dort Ressourcen und technologische Mittel. Generell traute man ihnen wenig zu. 

Die Deklaration der Unabhängigkeit kam aus dem Nichts, erschien wie ein schlechter Scherz gegenüber der hegemonialen Ordnungsmacht und entfaltete doch ihre Wucht, als Rhiel begann, die Nahrungsmittellieferungen an die Hegemonie einzustellen. Trivius tobte, entsandte eine Legion, ungeachtet der Tatsache, dass er die durch Überbevölkerung erstickende, korruptionsverseuchte Stadt unter Kontrolle halten musste, und obendrein gegen das Chaos im Süden vorzugehen hatte. Die Unruhen in der Metropole mitsamt der Situation an Süd und Westfront, verschärft durch die Preisexplosion für Nahrungsmittel, drohte Tycos in Anarchie zu treiben. Doch Trivius ließ nicht locker, glaubte den Westen innerhalb einer Woche unterwerfen, den Engpass mit den bestehenden Vorräten überbrücken zu können. 

Der Legionstrupp überfiel Dörfer und errichtete eine Herrschaft des Terrors zur Dezimierung der Drahtzieher. Widerstand regte sich. Guerilla-Aktionen, koordiniert aus der Hauptstadt, rieben die in Dutzende Verbände aufgespaltene Legion auf und erzwangen das Entsenden einer zweiten. Derweil klärten sich die südlichen Fronten, brachten das Regime eines Warlords hervor, dessen Schergen Handelsschiffe kaperten und damit die verbliebenen Handelsrouten mit Piraterie überzogen. Diese Plünderungen mehrten den Einfluss des Warlords und ließen Trivius eine baldige Infiltration seiner ohnehin von Abschaum überlaufenen Häfen befürchten. Ein Aspekt, der die Verteidigung unmöglich machen und den Bürgerkrieg somit vor die eigenen Tore bringen würde.

Es musste schnell gehen. Die zweite Legion marschierte direkt auf die Hauptstadt des Westens zu, plante der Schlange den Kopf abzuschlagen. Trivius hoffte so, den Großteil der Nahrungsmitteleinfuhren wieder zu ermöglichen, die Märkte und damit die Gesellschaft zu stabilisieren, um dann gegen den Warlord ziehen zu können. Doch hatte Trivius den Westen nicht nur in seiner agrarwirtschaftlichen Bedeutung unterschätzt und Tycos in eine gefährliche Abhängigkeit geführt. Auch war er nie nach Rhiel gereist, wurde durch dringlichere Probleme stets von der Sichtung der Westprojekte abgehalten, was ihn die Iridianfestung übersehen ließ.

Somit stieß die zweite Legion auf eine kleine, doch verteidigungsfähige Streitmacht, was, so schrieb es der General der Truppen, einen enormen Zeit- und Truppenaufwand benötigt hätte, um Rhiel in einer angemessenen Zeit unter Kontrolle zu bringen. Trivius erkannte die Realität an, zog seine Streitkräfte ab, akzeptierte die Bedingungen Rhiels und konzentrierte sich auf den Krieg im Süden: mit Erfolg. Somit war Rhiel als gleichberechtigtes Imperium des Westens geboren, prosperierte massiv durch den Handel mit Tycos und stieg zu der Macht auf, die es heute ist.

Ob Calvus Flasyra, der spätere Asure Rhiels und Revolutionsführer, die geostrategische und militärpolitische Situation der Hegemonie bewusst ausgenutzt hatte oder lediglich ein von Überzeugung getriebener Irrer war, ist bis heute umstritten. Doch wurden sein Mut, seine Standhaftigkeit – die Verteidigung der Ehre der freien Lande Rhiels – Teil der Legende um den Phönix des Westens. Sie stiftete Identität und damit Tradition.

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